Ab in die Wanne mit den kleinen Künstlern!

Die Rasselbande hatte ihren Spaß. 40 Jungen und Mädchen modellierten in Quierschied in einem Zelt munter drauf los. Die Bildhauer Ingo Grauthoff und Christoph Stannek halfen mit Rat und Tat.

-Von ELMAR MÜLLER -


Quierschied. Der neunjährige Jonas trug's mit Fassung. Gerade war seinem wunderschönen „Ytong-Engel", an dem er eine Stunde lang geformt hatte, der Kopf abgefallen. Der Hals war wohl doch zu dünn gewesen, packte den großen Kopf nicht. Doch das machte dem kleinen Künstler überhaupt nichts aus. Im Gegenteil: „Das ist doch nicht schlimm", lachte Jonas und zeigte auf einen zweiten Engel, den er vorsichtshalber gleich mit modelliert hatte. Zur Zeit ist „Kinder-Kultur-Herbst" in Quierschied. Zum dritten Mal luden der Verein „Groß für Klein", die Gemeindebücherei und die Volkshochschule Quierschied dazu ein. „Im ersten Jahr hatten wir im Schnitt 15 Mädchen und Jungs; diesmal waren es 40", freute sich Annette Bost, die 1. Vorsitzende des Vereins „Groß für Klein". Und: „Es wollten noch mehr Kinder mitmachen." Doch das war aus Kapazitätsgründen nicht möglich. Extra für die Projekttage hatten die Veranstalter auf dem Marktplatz ein Zelt aufgebaut. „Das hat uns freundlicherweise das Rote Kreuz aus Fischbach zur Verfügung gestellt", sagte Bost. Die Heizung im Zelt installierte die Firma Hanisch.

Zurück zu den kleinen Künstlern: Zeitweise tummelten sich fast 40 Kinder im Zelt. Bildhauer Ingo Grauthoff und sein Kollege Christoph Stannek hatten alle Hände voll zu tun mit der Rasselbande. Die beiden standen den Nachwuchsbildhauern mit Rat und Tat zur Seite. Sie halfen beim Aufzeichnen der Motive, verteilten die Werkzeuge, passten auf, dass sich niemand verletzte. Dennoch erwischte es Fabian (7). Er hatte sich mit dem Hammer auf den Daumen geschlagen und blutete. Der kleine Mann war aber tapfer. Annette Bost machte die Wunde sauber, klebte ein Pflaster drauf. Weg war der Schmerz, und Fabian machte sich wieder über einen Ytong-Stein her. Bei der Bearbeitung der Steine waren der Phantasie der jungen Künstler keine Grenzen gesetzt. Martina (11) hatte eine Eule modelliert und versuchte sich noch an einem Stern. Zusammen mit Schwester Kerstin (12) machte sie auch eine Hausnummer. Es war ziemlich staubig in dem Zelt; der feine weiße Staub setzte sich in tief in der Kleider. Am Abend kamen die kleinen Künstler in die Badewanne, die Kleider in der Waschmaschine. Martina und ihrer Schwester aber machte der Staub nichts aus. Denn, so erzählten sie: „Unser Opa schafft viel mit Holz, und da staubt's auch." Ganz eifrig meißelte der elfjährige Tobias die Zahlen „7" und „0" in eine Ytong-Platte. „Das wird ein Geschenk für meine Oma Hedwig, die wird bald 70 Jahre alt", erzählte er stolz. Der achtjährige Denis arbeitete mit einer kleinen Säge. „Das wird ein Aschenbecher für meinen Papa", erklärte er fachmännisch. Es gab vier Projekttage. Am ersten davon stellten die Kinder Kürbislaternen her. „25 Mädchen und Jungs machten mit", erzählte Annette Bost. Am zweiten Tag bastelten sie und ihre Kollegin Helga Lentes Puppen und Vogelscheuchen aus Heu, Diesmal waren 43 kleine „Quierschder Wambe" da. „Im Zelt roch es wie in einem Kuhstall", so Helga Lentes. Am letzten Tag der Projektwoche wurde das Zelt auf dem Markplatz in eine kleine Töpferei umgewandelt. Zur Zeit stehen die hergestellten Kunstwerke wie Vasen, Tassen, Aschenbecher oder Hausnummern zum Trocknen in der Gemeindebücherei. Mitte nächster Woche kommen die Sachen in der Werkstatt des Jugendzentrums Quierschied in den Brennofen. Dann können die Kinder die Kunstwerke ihren Eltern zeigen.


Kleine Künstler bei der Arbeit 40 Jungs und Mädchen versuchten sich beim Quierschieder „Kinder-Kultur-Herbst" als Nachwuchsbildhauer. Die Profis Ingo Grauthoff und Christoph Stannek standen ihnen mit Rat und Tat zur Seite. Unser Foto zeigt Timo Wack, Dennis Heinrich und Lisa Josefa Endres (von links) beim Modellieren. FOTOS: BECKER & BREDEL

Quelle: Saarbrücker Zeitung vom 13. Oktober 2000

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